Am 6.Dezember 2025 hat die Gruppe „Die Wedemark klöppelt“ im Kavalierhaus das alte Handwerk gezeigt und Produkte aus alter und neuer Zeit vorgestellt. Neben dem Weben, dass wir im Blog unter dem Titel Weben - ein uraltes Handwerk vorgestellt haben, ist Klöppeln eine traditionelle Handwerkstechnik, die wir im folgenden Beitrag genauer erläutern.
Klöppelspitzen entstanden, als man den Rändern von Kleidungsstücken eine feste und gleichzeitig dekorative Kante geben wollte. Mit Variationen von Flechten wurden so aus losen Fransen schmückende Elemente an der Kleidung der Reichen. Vermutlich um die Herstellung zu vereinfachen, kam dann die Idee, diese Flechtwerke unabhängig von Kleidungsstücken zu gestalten und die ersten Klöppelspitzen wurden gefertigt: Flechtspitzen.
Spitzen waren zu allen Zeiten, d.h. mit ihrem Aufkommen um 1500, wesentlicher Bestandteil der Mode, zunächst der vornehmen und höfischen, nach der französischen Revolution auch der bürgerlichen Mode.
Die ersten Quellen für das Klöppeln sind Musterbücher des 16. Jahrhunderts aus Italien, wo man auch den Ursprung der Technik vermutet. Das erste reine Musterbuch für die Klöppeltechnik erschien um das Jahr 1557 in Venedig: Le Pompe. Aus Italien soll die Technik zunächst nach Spanien oder in die spanischen Niederlande und danach nach Frankreich gelangt sein. Aber auch im Erzgebirge sind bereits im 16. Jahrhundert die ersten Klöppelspitzen nachgewiesen. Barbara Uthmann, die Witwe eines Montan-Unternehmers aus Annaberg, soll als Verlegerin maßgeblich an der Verbreitung des Klöppelns im Erzgebirge beteiligt gewesen sein.
Die Spitze hatte im 18. Jahrhundert eine fast grenzenlose Verwendung in der Mode gefunden: man begann Spitzen volantweise übereinander gerüscht zu tragen, als Krawatten und Jabots, Beinkleider, Hauben mit langen Bändern, sogar Kleider wurden in Teilen gearbeitet und aneinandergesetzt.
Kinder und meistens Frauen klöppelten, um sich einen Lebensunterhalt zu verdienen. Gewänder wurden mit Klöppelspitze verziert. Es entstanden auch Utensilien wie Hauben, Hüte und Decken.
Im 19. Jahrhundert wurden die ersten Maschinen erfunden, die Textilien in Klöppeltechnik erstellen können. Diese Textilien müssen ein fortlaufendes Muster haben, da es bis heute noch nicht möglich ist, bei maschinellen Klöppelspitzen „um die Ecke“ zu klöppeln.
Was wird zum Klöppeln benötigt?
Ein Klöppelkissen: Es gibt unterschiedliche Klöppelkissen, die Rolle und das Flachkissen. Für die Spitze ist es egal, auf welchem Kissen man arbeitet. Nur die Handhaltung und die Klöppel sind unterschiedlich. Eine alte Rolle befindet sich im Museum.
Außerdem werden Klöppel benötigt. Früher wurden die Klöppel von Hand gedrechselt. Je nach Region gibt es untersschiedliche Formen. Heute kann man Hölzer mit Griff und Garnfach im Internet beziehen. Die Größe der Klöppel richtet sich nach dem verwendeten Garn. Für dickes Garn nimmt man größere Klöppel um genug Garn aufwickeln zu können.
Außerdem braucht man noch
Garn, das bei den ersten Übungen möglichst glatt sein sollte. Gutes Garn ist bei Klöppelshops zu finden. Am Anfang reichen auch Garnreste aus.
Stecknadeln, die je nach Garnstärke unterschiedlich dick sein sollten. Sie sollten aber nur so lang sein, dass sie nicht durch das Klöppelbrett durchpieken. Zu lange Nadeln führen zu Schäden an den Arbeitstischen.
Schere, eine dünne Häkelnadel, später noch Nadeldrücker und Kuhfuß (zum Ziehen der eingesteckten Nadeln), ggf. Haarspray zum Fixieren der Arbeit und eine Klöppelvorlage, die am Anfang auch aus kariertem Papier bestehen kann.
Wie werden die Klöppel gewickelt?
Nimm bitte den unteren (längeren) Teil des Klöppels in die linke Hand, so dass der Kopf nach rechts zeigt. Leg das Ende eines Fadens (nicht vom Knäuel abschneiden) vor das "Garnfach" und halt es mit dem Daumen fest - so wie in der Zeichnung.
Dann wickle den Faden mit der rechten Hand von Dir weg um das Garnfach und dabei auch über den Fadenanfang, damit der nicht in der Gegend herumsteht.
Wenn Du etwas Garn aufgewickelt hast, muss der Faden noch am Klöppel befestigt werden. Dazu machst Du eine Schlaufe, die den Faden
hält wenn man daran zieht, die es aber auch ermöglicht, ihn beim Klöppeln immer wieder zu verlängern - also vom Klöppel herunter zu wickeln.
So geht die Schlaufe:
Wenn Du richtig gewickelt hast, hängt der Faden hinter dem Klöppel herunter. Mit diesem Faden bildest Du eine nach oben stehende Schlaufe, bei der der Faden, der zum Knäuel läuft, hinter dem
liegt, der vom Klöppel kommt. Bestimmt siehst Du auf der Zeichnung schnell, wie das gemeint ist.
Jetzt hängt also ein Klöppel an einem Garnknäuel. Vielleicht wusstest Du es noch nicht, aber beim Klöppeln arbeitet man immer mit
Paaren. Der zweite Klöppel sollte am anderen Ende des Fadens angebracht werden. Du musst dafür ein Stück Faden abwickeln (nicht zu viel, er soll ja auf den Klöppel passen) und abschneiden.
Den zweiten Klöppel bewickelst Du ebenso wie den ersten, auch die Schlaufe ist natürlich die gleiche.
Die zwei Klöppel, die dann an dem Faden hängen, sollen ca. 15 cm Abstand haben. Wenn Du später beim Klöppeln Garn vom Klöppel herunterziehen willst, nimm den Klöppel in die rechte Hand (der
Klöppel-Kopf zeigt nach links) und dreh ihn mit etwas Zug auf Dich zu (wie alles beim Klöppeln braucht auch das etwas Übung).
Klöppeln besteht grundsätzlich aus zwei Handbewegungen: Kreuzen und Drehen
Kreuzen: Lege den rechten Klöppel des linken Paares nach rechts über den linken Klöppel des rechten Paares. Klingt das kompliziert? Schau Dir mal die Zeichnung an, es ist ganz einfach.
Kreuzen geschieht zwischen den Paaren: der rechte des linken Paares geht über den linken des rechten Paares.
Die zweite Bewegung nennt sich "Drehen". Dabei legst Du jeweils den rechten Klöppel jedes Paares nach links über den linken.
Drehen ist das, was ein Paar für sich macht: der jeweils rechte Klöppel wird über den linken gelegt.
Gibt es Vorlagen oder Muster?
Der Klöppelbrief ist die Vorlage, auf der gearbeitet wird. Auf ihm siehst Du die Form der Spitze und Du hast Punkte, in die beim Klöppeln die Stecknadeln zur Befestigung gesteckt werden.
Es gibt 3 Grundschläge als Muster. Daraus haben sich im Laufe der Zeit hunderte verschiedener Klöppelmuster entwickelt. Informationen hierzu findet man in den entsprechenden Fachbüchern.
Ein Ganzschlag besteht aus vier Handbewegungen: Kreuzen, Drehen, Kreuzen, Drehen. Danach lässt Du das erste Paar Klöppel liegen und nimmst das nächste Paar mit in die Arbeit und wieder Kreuzen, Drehen, Kreuzen, Drehen. So klöppelst Du die ganze Reihe. Dann wird eine Nadel vor die letzten beiden Fäden gesteckt, und die Reihe wird zurück geklöppelt. Wenn Du einen Fehler gemacht hast, ist das kein Problem, Du kannst dann einfach zurückklöppeln.
Der Halbschlag ist ein halber Ganzschlag. Er besteht also nur aus Kreuzen und Drehen.
Der Leinenschlag ist auch nicht schlimm. Er besteht aus Kreuzen, Drehen, Kreuzen.
Weitere Informationen, Muster, Klöppelbriefe und auch Onlinekurse gibt es im Internet. Hier kann man in Klöppelshops auch Garn, Klöppel und alles Mögliche an Zugehör kaufen. Hier gibt es auch interessante Klöppelobjekte, die Kinder, Frauen und Männer geklöppelt haben.
Hier zeigen wir noch ein paar fertige Klöppelarbeiten, die in der Gruppe" Die Wedemark klöppelt" in den letzten Jahren angefertigt wurden. Im Gegensatz zu alten Klöppelarbeiten, die meist aus ungefärbtem Leinen oder Baumwolle hergestellt wurden, werden Arbeiten in farbigem Garn aus Leinen, Baumwolle, Seide, Kunstgarn oder sogar aus Draht gearbeitet.
Quellenangaben:
Foto der Klöpplerinnen: (C) Deutsche Fotothek / Walter Möbius, CC-BY-SA 4.0 Int., https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70021911
Die Schulungsunterlagen wurden von Gabriele Kister-Schuler in den Jahren 2001 – 2008 für ihre Nichte zusammengestellt und im Internet unter www.kloeppelkids.de veröffentlicht.Für das Klöppeln im Museum wurden die Unterlagen von Petra Grünberg ergänzt und angepasst.























