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Das süße Leben

Wer einen Beitrag über ein üppiges Luxusleben vermutet wird sicherlich enttäuscht sein. Es geht hier u.a. um das Süßen von Speisen. Bis zur industriellen Gewinnung von Rübenzucker im 19. Jahrhundert war Honig in unserer Gegend ein wichtiger, oft auch der einzige Süßstoff. 

 

Ursprünglich waren Bienen überwiegend in den Wäldern zuhause und bauten in hohle Bäume ihre Waben, um darin ihre Brut aufzuziehen und Vorräte zu lagern. Im Gebiet des heutigen Deutschlands weisen archäologische Ausgrabungen Zeugnisse der von Menschen organisierten Bienenhaltung bereits um 500 vor unserer Zeitrechnung nach.

 

Diente diese zunächst der Eigenversorgung, entwickelte sich im Mittelalter das gewerbsmäßige Sammeln von Honig. Zunächst entfernte man den kompletten Wabenbau aus den Bäumen, ohne Rücksicht auf die Bienenvölker. Später höhlte man Baumstämme aus, setzte dort Holzrahmen für den Wabenbau ein und stellte diese sogenannten Klotzbeuten an geeigneten Orten auf. Der Nachbau einer solchen Klotzbeute ist im Museum ausgestellt. Die nebenstehende Illustration von Michaela Vieser und Irmela Schautz aus dem Buch „Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreissern - Berufe aus vergangenen Zeiten.“ (C. Bertelsmann Verlag, Verlagsgruppe Random House GmbH) zeigt die historische Honigernte im Wald aus Holzstämmen.

 Im Museum ist auch ein Imkerbeil ausgestellt. Mit ähnlichen Beilen hat man die Bäume aufgehackt, um an den Honig zu gelangen. Das Beil war das wichtigste Werkzeug der Honigsammler und wurde gelegentlich auch als Waffe eingesetzt. Deshalb ist das Beil auch in das Zunftzeichen der Imker aufgenommen worden.

Ab dem Mittelalter erfolgte der Übergang von der Waldbienenzucht zur Hausbienenzucht. Dabei entwickelte sich in der Lüneburger Heide eine besondere Art der Bienenhaltung. Typische Kennzeichen waren Bienenwohnungen aus geflochtenen Strohkörben, „Lüneburger Stülper" genannt. Mehrere Körbe wurden in sogenannte Bienenzäune gestellt. Diese Anlagen baute man vornehmlich in Gegenden, wo für die Bienen ausreichend Nahrung zu erwarten war. Auf manchen älteren Landkarten sind solche Standorte sogar eingetragen. In jeden Bienenzaun stellte man früher einen oder mehrere Bannkörbe, die an ihren Vorderseiten menschliche Gesichter trugen. Sie sollten jegliches Unglück, besonders Krankheiten und Verhexungen fernhalten.

Einige Formen von Bienenkörben sind in dem nachgestellten Bienenzaun, auch Immentun oder Lagd genannt, dargestellt. In der oberen Reihe des Bienenzauns befinden sich drei Besonderheiten:

 

links ein Korb mit einem Gefäß für Zucker- oder Honiglösung als Ersatznahrung für die Bienen über den Winter nach der Honigentnahme.  Dieses Gefäß ist eine Leihgabe des Museumshofes in Winsen/Aller.

in der Mitte ein Bannkorb aus einer ehemaligen Hausimkerei in Dudenbostel, um 1930.

 

rechts ein Korb, der mit einem Schwarmbeutel versehen ist. Damit fing der Imker, wenn er das Schwärmen rechtzeitig bemerkte, das  schwärmende Bienenvolk auf und musste das Volk nicht erst wieder mühsam einfangen.

 

Heute hat man die Körbe durch Holz- und Styroporkästen ersetzt, in die man Rahmen aus Holz einhängen kann. Diese Holzrahmen werden vom Imker mit Waben aus Bienenwachs bestückt. Damit erspart man den Bienen den Wabenbau.

 

Aus Honig hat man auch immer den Honigwein, auch Met genannt, zubereitet. Für dieses nicht alltägliche Getränk hat man besondere Metkannen gehabt. Eine solche Kanne hat uns das Bomann-Museum Celle leihweise zur Verfügung gestellt.

Den Honig hat man aus den geöffneten Waben entfernt, indem man die leicht angewärmt und dann in einem Leinentuch in der Honigpresse ausgepresst hat. Das Leinentuch diente als Filter um Wachsreste zurückzuhalten. Auch das Wachs der Waben hat in früheren Zeiten zur Kerzenherstellung und als Dichtmittel Verwendung gefunden. Das Wachs wurde geschmolzen und dann durch ein Leinentuch als Filter mit der Wachspresse ausgepresst. Beide Pressenarten sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

 

Heinz Erhardt hat auf seine Weise den Dank an die Bienen ausgedrückt:

 

An die Bienen

Bienen! Immen! Sumseriche!

Wer sich je mit euch vergliche,

der verdient, daß man ihn töte!

Daß zumindest er erröte!

Denn, wie ihr in Berg und Tal schafft

ohne Zutun der Gewerkschaft,

ohne daß man euch bezahle,

ohne Streik und Lohnspirale,

täglich, stündlich drauf bedacht,

daß ihr für uns Honig macht,

ihr seid's wert, daß man euch ehre!

Wobei vorzuschlagen wäre -

ob nun alt ihr, ob Novizen -

euch von heute ab zu siezen!

Unser Dank, unser Applaus

säh in etwa dann so aus:

„Sehr geehrte Honigbienen!

Wir Verbraucher danken Ihnen!“

 

Selbst Wilhelm Busch hat in seinen Werken des Öfteren die Bienen und auch ihre gelegentlich unangenehmen Auswirkungen beschrieben und gezeichnet.


Bildquellen:

Biene (Vorschaubild):  Bild von Hans Benn auf Pixabay

Illustration von Michaela Vieser und Irmela Schautz aus dem Buch „Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreissern - Berufe aus vergangenen Zeiten.“ C. Bertelsmann Verlag, Verlagsgruppe Random House GmbH

übrige Bilder: Richard-Brandt-Heimatmuseum Wedemark