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Richard Brandt

Seit vielen Jahren schon trägt das Richard-Brandt-Heimatmuseum Wedemark den Namen seines Gründers. Brandt hatte 1953 die Sammlung für die sogenannte “Heimatstube Wedemark” begonnen und 1963 als Schenkung an die Gemeinde Bissendorf weitergegeben. In der Folge entstand eine kleine Heimatstube in der 1. Etage des Amtshauses, die ein paar Jahre später ins Kavalierhaus umzog. Seit 1999 befinden sich Teile des Heimatmuseums auch im Obergeschoss des ehemaligen Amtskruges.

 

Im Alter von 82 Jahren konnte Richard Brandt noch die Umbenennung seiner Sammlung als Heimatmuseum miterleben, bevor er ein paar Monate später verstarb. Am 16. Januar 2022 jährt sich dieser Todestag zum 40. Mal und wir wollen daher im folgenden Beitrag einen kurzen Blick auf Leben und Werk des Richard Brandt werfen. 

Geboren wurde Brandt am 22. Mai 1899 in Münster (Westfalen). Nach der Teilnahme am ersten Weltkrieg beendete er seine Lehrerausbildung in Verden (Aller) und erhielt eine erste Anstellung als Lehrer im Hannoverschen Wendland. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Frida kennen. 1934 folgte eine Versetzung nach Bennemühlen, anschließend war Brandt in Hellendorf als Lehrer tätig. Schließlich folgte ab 1953 die letzte Lehrerstelle in Wennebostel. Neben dem Beginn der Sammlung für die Heimatstube Wedemark hat Brandt in dieser Zeit auch an den Entwürfen vieler Wedemarker Ortswappen mitgearbeitet. Diese entstanden gemeinsam mit dem Heraldiker Gustav Völker.

 

Bereits seit 1938 war Richard Brandt als Heimatschriftsteller tätig und hat neben vielen Büchern auch zahlreiche Artikel für die Burgdorfer Kreiszeitung und später auch für das Wedemark Echo geschrieben. Themen waren dabei z. B. die Tiefgarage in der Bahnhofstraße in Bissendorf, das Silo neben dem ehemaligen Gemeindehaus (heute Pflegeheim Stadtgarten) oder der Zug der neuen Bronzeglocken für die Michaeliskirche durch Bissendorf. Für Interessierte haben wir am Ende dieses Beitrages eine (nicht vollständige) Veröffentlichungsliste zusammengetragen.

 

Aus Brandts Tätigkeit als Lehrer und Schriftsteller sind einige Anekdoten überliefert worden, nachzulesen unter anderem in den Bissendorfer Hof- und Familiengeschichten (Band 1, Seite 240):

 

Der Transport der schweren Milchkannen von den Höfen zur Molkerei in Mellendorf war etwas für Männer ohne Nerven. Ob bei Regen oder Schnee: „Wir mussten an 365 Tagen im Jahr fahren“ berichtet Richard Pardey. Der Bissendorfer, transportierte bis 1973 die Milchkannen mit dem Trecker von Bissendorf nach Mellendorf. Anschließend musste er die leeren Kannen, oft mit einer Ration Butter gefüllt, wieder zu den Bauern zurückbringen. Und dann ging es auf die eigenen Felder, denn die meisten Milchfahrer hatten selbst ein paar Kühe im Stall stehen. Richard Pardey hatte den Job von seinem Onkel Ferdinand übernommen, der 40 Jahre lang für das Einsammeln der Milch im Ort zuständig war. In den ersten Jahren war das Ziel die alte Käserei in der Straße Am Heerwege in Bissendorf. Fotos der Jubiläumsfahrt, zu der der Milchwagen von Onkel Ferdinand geschmückt wurde, wollte unter anderem auch der Wennebosteler Dorfschullehrer und Heimatforscher Richard Brandt schießen. „Auf der Rückfahrt von Mellendorf hat er meinen Onkel extra angehalten“, erzählt Richard Pardey. Doch hinterher stellte sich heraus, dass Brandt vergessen hatte, einen Film in die Kamera einzulegen, lautet die Anekdote.

Eine ehemalige Schülerin, die 1960 bei Richard Brandt in der Wennebosteler Schule eingeschult wurde, weiß folgendes zu berichten:

 

Wenn Brandt in den Pausen auf dem Schulhof jemanden am Zaun zum Klönen traf, konnten die Pausen recht lang werden. Während der kalten Jahreszeit hingegen waren die Pausen recht kurz. Es gab damals keine Schulglocke dort. Deshalb rief B. die Kinder zum Unterricht mit einem langgezogenen und gleichtönigen “Reinkommehehen”.

 

Im Klassenraum befand sich ein Aquarium mit Fischen, die von B. gefüttert wurden. Wenn die Kinder keine Lust auf Unterricht hatten, fingen sie an zu singen. Sie wussten, dass B. Freude am Singen hatte. Und so kam es dann häufig vor, dass er mit den Kindern eine ganze Weile gemeinsam sang. Die Kinder versammelten sich dabei ums Klavier und los ging es.

 

Der Klassenraum (es gab damals nur einen in der Wennebosteler Schule) wurde mit einem Ölofen beheizt und B. füllte gelegentlich Öl nach.

 

Nachdem B. seine heimatkundliche Sammlung der damaligen Gemeinde Bissendorf übertragen hatte, wurde eine kleine Heimatstube in der 1. Etage des Amtshauses eingerichtet. Die Besucherzahl war noch recht gering und so übertrug B. ihr als Schülerin der 4. Klasse gelegentlich die Aufsicht in der Heimatstube. Dort habe sie sich mangels Besucherinnen und Besuchern oft recht allein gefühlt.

 

Im Lauf seines Lebens ist Brandt mehrfach ausgezeichnet worden. So erhielt er den Niedersächsischen Verdienstorden am Bande, den Niedersächsischen Verdienstorden 1. Klasse und wurde zum Ehrenbürger der Gemeinde Bissendorf ernannt.

 

Richard Brandt starb am 16. Januar 1982. Sein Grab befindet sich direkt neben der Friedhofskapelle in Bissendorf.

 

 

Veröffentlichungen von Richard Brandt 

 

Bücher (Fettgedruckte Titel sind in der Leseecke des Museums einsehbar)

 

Brandt, R. (1938): Zwischen Leine und Aller- ein Heimat- und Wanderbuch. Lax, Hildesheim

 

Brandt, R. (1947): Im Schatten der Residenz (Wanderbuch), Verlag Adolf Sponholtz, Hannover

 

Brandt, R. (1949 bis 1951): Niedersachsen - das Bild einer Landschaft; eine kleinen Heimatkunde für Schule und Haus. Friedrich Gersbach Verlag, Bad Pyrmont, 6 Bände

 

Band 1: Allgemeines, die Landeshauptstadt Hannover, Herrenhausen, zwischen Deister und Leine, das Steinhuder Meer, zwischen Leine und Aller (1949)

 

Band 2: Die Lüneburger Heide, das hannoversche Wendland, zwischen Harz und Heide (1949)

 

Band 3: Der Harz, das Untereichsfeld (1950)

 

Band 4: Im Tal der oberen Leine, im Tal der mittleren Leine und Innerste, das Weserbergland (1950)

 

Band 5a: Das Osnabrücker Bergland, zwischen Weser und Hunte (Diepholz - Hoya - Nienburg) (1951)

 

Band 5b: Zwischen Niederelbe und Niederweser, das Land Bremen (1951)

 

Brandt, R. (1959): Die schöne Wedemark - heimatkundliche Skizz

Brandt, R. (1968): Die schöne Wedemark - heimatkundliche Skizzen. 2. Auflage, Wennebostel, Selbstverlag

 

Brandt, R. (1971): Der Landkreis Burgdorf im Wandel der Zeiten - heimatkundliche Skizzen. Wennebostel, Selbstverlag

 

Brandt, R. (1975): Der Großraum Hannover - zwischen Steinhuder Meer, Fuhse, Deister und Aller; heimatkundliche Skizzen. Benatzky, Hannover

 

Brandt, R. (1976): Der Großraum Hannover - zwischen Steinhuder Meer, Fuhse, Deister und Aller; heimatkundliche Skizzen, 2. Auflage, Benatzky, Hannover

 

Brandt, R. (1980): Der Großraum Hannover - zwischen Steinhuder Meer, Fuhse, Deister und Aller; heimatkundliche Skizzen. 3. Auflage, Benatzky, Hannover

 

Brandt, R. (1980): Die Gemeinde Wedemark, das Tor zur Südheide. heimatkundl. Skizzen unter Beifügung einer Karte. Benatzky, Hannover

 

 

Artikel (in Auswahl)

 

Brandt, R.: Gedenken an Hölty zu seinem 200. Todestage am 1.September 1976. In: Heimatland, 1976, S. 179-182

 

Brandt, R.: 1000jährige Fundamente: Überraschung bei Renovierung. In: Niedersachsen, 1973 (73), S. 326-327

 

Brandt, R.: Die Amtsvogtei Bissendorf.  In: Heimatland, 1970 (1), S. 15-18

 

Brandt, R.: Vor 275 Jahren: Tod und Verbannung [der Prinzessin Sophie Dorothea] : in Bissendorf [Kreis Burgdorf] gedenkt man des öfteren der "Prinzessin von Ahlden". In: Unser Kreis, 1970 (22), S. 8

 

Brandt, R.: Stechinelli, Drost zu Bissendorf. In: Unser Kreis, 1966 (18), S. 4

 

Brandt, R.: Hermann Löns und die Heide: zum 100. Geburtstag des Dichters am 29. August 1966. In: Unser Kreis, 1966 (18), S. 1

 

Brandt, R.: Schwäne im Wappen der Familie Sprockhoff. Unser Kreis, 1965 (17), S. 14

 

Brandt, R.: 75 Jahre Heideexpreß [Eisenbahn Hannover-Walsrode-Soltau]. Unser Kreis, 1965 (17), S. 17

 

Brandt, R.: Ernst Schulze zum Gedenken: Vor 175 Jahren wurde der Dichter als Großsohn des Bissendorfer Pastors Lampe geboren. In: Unser Kreis, 1964 (16), S. 10

 

Brandt, R.: Johann Philipp Ernst Ebbeke : Ein Bild des Erziehers der nachherigen Königinnen Luise und Friederike. In: Unser Kreis, 1964 (16), S. 6

 

Brandt, R.: Stechinellis Vermächtnis in Wieckenberg [Kr. Celle]. In: Heimatland, 1963 (3), S. 124-126

 

Brandt, R.: Das Wilde Moor soll geschützt werden. In: Heimatland, 1963 (1), S. 12-14


Bild- und Textquellen: 

Portrait Richard Brandt: Otto Heineke: Richard Brandt zum 70. Geburtstag. In: Heimatland, 1969, S. 200-201

Einschulungsfoto: Sammlung Peter Schulze, Bissendorf

Museumsfoto: Hellmuth Hahn, Friedrich Lüddecke (2012): Die Amtsvogtei Bissendorf im Fürstentum Lüneburg, S. 159

Hellmuth Hahn, Friedrich Lüddecke (2003): Bissendorfer Hof- und Familiengeschichten, Band 1, S. 240