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Gottfried August Bürger

Vielleicht verbindet der eine oder andere Leser die Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen mit dem Dichter Gottfried August Bürger, dem Namensgeber der Straße in Bissendorf, an der auch das Richard-Brandt-Heimatmuseum Wedemark liegt. Von den unzähligen Internetseiten, die Werke von Bürger verzeichnen und bereitstellen, sei hier stellvertretend das Gottfried-August-Bürger-Museum in Molmerswede genannt. Und die Universitäts- und Landesbibliothek in Düsseldorf stellt sämtliche Werke Bürgers online zur Verfügung. Aber wer war die Person Gottfried August Bürger? Und was verbindet ihn eigentlich mit Bissendorf? Diese Fragen sollen im folgenden Beitrag beleuchtet werden.

 

Bereits um das Geburtsdatum des Herausgebers der Münchhausen-Geschichten rankt sich eine Erzählung. Geboren wurde er in Molmerswede in der Silvesternacht 1747/48. Im Kirchenbuch wurde daher völlig korrekt der 31.12.1747 festgehalten. Bürger selbst behauptete jedoch später immer, “in der ersten Stunde des Jahres 1748” geboren zu sein. In seiner Familie beging man daher den 1. Januar als seinen Geburtstag und auch auf dem Grabstein des Dichters ist der erste Januartag als Geburtstag vermerkt.

Sein Vater war der Landpfarrer Johann Gottfried Bürger, seine Mutter Gertrud Elisabeth Bürger, geb. Bauer. Diese ist als jähzornig und neidisch überliefert, wogegen dem Vater ein bequemes, phlegmatisches Gemüt nachgesagt wird. Bürger wuchs mit drei Schwestern in kümmerlichen Verhältnissen auf und erbte den aufbrausenden und leidenschaftlichen Charakter seiner Mutter.

Ersten Unterricht erhielt Bürger nicht von seinem Vater, sondern von Pastor Samuel Joachim Kutzbach. Erst im Alter von 11 Jahren wechselte er an die Stadtschule in Aschersleben. Bereits nach einem Jahr musste er diese jedoch wieder verlassen. Er hatte ein Spottgedicht über einen Mitschüler verfasst, wurde daraufhin in eine Prügelei verwickelt und bezog als Strafe Schläge durch den Direktor der Schule. Daraufhin verfasste Bürger ein weiteres Spottgedicht - dieses Mal über die Perücke des Direktors, was seinen Schulverweis zur Folge hatte. Bis Michaelis (= 29.9.) 1763 besuchte Bürger anschließend eine Schule in Halle, wo er zwar auch kleine Streiche spielte, aber ansonsten ein guter Schüler war. Im Mai 1764 nahm er in Halle, vermutlich auf Wunsch des Großvaters, ein Theologiestudium auf. Ostern 1768 wechselte er nach Göttingen und studierte Rechtswissenschaften.

1772 trat er die Stelle eines Amtmanns in Gelliehausen an. Anfang 1774 verlegte Bürger seinen Amtssitz nach Niedeck und kam so in den Kontakt mit Familie Leonhart, was sein ganzes weiteres Leben bestimmen sollte.

Wohl aus Pflichtgefühl heiratete er am 22. November 1774 Dorothea (Dorette) Marianne Leonhart, die zweite Tochter des Justizamtmanns Johann Carl Leonhart zu Niedeck. Schon 6 Monate später wurden die beiden Eltern einer Tochter: Antoinette. Diese starb jedoch bereits Ende 1777. Im März 1778 wurde Bürgers zweite Tochter Marianne Friederike geboren.

Die Ehe war nicht glücklich: Bürger hatte sich bereits vor der Hochzeit mit Dorette in deren jüngere Schwester verliebt, die er in Gedichten als Molly besang. Ihr vollständiger Name lautete Augusta Maria Wilhelmine Eva Leonhart. Die Liebe zwischen Bürger und Molly wurde mit den Jahren immer stärker. Um ihren Mann nicht zu verlieren, willigte Dorette schließlich in eine “Ehe zu dritt” ein. Das erregte jedoch Aufsehen und so zog Molly im Sommer 1779 nach Bissendorf zu ihrer Schwester Anna. Diese hatte 1778 den Amtmann Johann Jacob Heinrich Elderhorst geheiratet, der kurz zuvor Amtsvogt in Bissendorf geworden war. Auch den Winter 1779/80 verbrachte Molly in Bissendorf. Als sie schließlich schwanger wurde, zog Molly zu Bürgers Schwester Friederike (verh. Müller) nach Langendorf. Dort brachte sie am 19. Juni 1782 ihren Sohn August Emil zur Welt. Molly wohnte mit ihrem Sohn im darauffolgenden Winter weiterhin in Langendorf. Emil blieb anschließend zur Erziehung bei seiner Tante und niemand ahnte damals, dass Gottfried August Bürger der Vater des Kindes war. Molly kehrte 1783 für ein weiteres Jahr nach Bissendorf zurück. Bürger besuchte sie mehrfach.

 

Auch beruflich ging es für Bürger nicht recht voran. Seine Amtmannstelle brachte nur geringe Einkünfte ein, er war häufig krank und die Pachtung des Gutes Appenrode verschuldete ihn noch weiter. Dazu kam die Klage seiner Vorgesetzten wegen nachlässiger Geschäftsführung, von der er zwar freigesprochen wurde, sein Amt aber dennoch 1783 freiwillig niederlegte.

Am 30. Juli 1784 starb Bürgers Frau Dorette an den Folgen der Geburt der Tochter Auguste Wilhelmine. Er ging daraufhin wieder nach Göttingen, um eine Stelle als Privatdozent anzutreten. Nach Ablauf der vorgeschriebenen Trauerzeit heirateten Bürger und Molly am 17. Juni 1785 in der St. Michaeliskirche Bissendorf. Ende September kehrte das Paar nach Göttingen zurück, wo am 25. Dezember 1785 die Tochter Auguste Anna Henriette Ernestine geboren wurde. Bereits zwei Wochen später, am 9. Januar 1786, starb auch Molly an den Folgen der Geburt. Die kleine Tochter wuchs daraufhin in Bissendorf bei ihrer Tante Anna Elderhorst auf. Bürger kam jedoch nur noch selten zu Besuch.

Die Göttinger Universität erteilte Gottfried August Bürger 1787 bei ihrem 50-jährigen Jubiläum die philosophische Doktorwürde und ernannte ihn im November 1789 zum außerordentlichen Professor. Dieser Ehrentitel war aber mit keiner Gehaltszahlung verbunden. Als Dozent lebte Bürger vom sogenannten Kollegiengeld, also den Gebühren, die er direkt von seinen Studenten pro Semester erhielt. Er litt daher weiter unter finanziellen Schwierigkeiten.

Am 29. September 1790 ging Bürger eine dritte Ehe ein und heiratete die 21 Jahre jüngere Schriftstellerin Elise Hahn in Göttingen. Der gemeinsame Sohn Agathon wurde am 1. August 1791 geboren. Die Ehe verlief jedoch sehr unglücklich, Elise betrog ihren Mann mehrfach. Am 31. März 1792 wurde sie daher vor Gericht schuldig geschieden, wodurch sie auch ihre Mitgift von 1177 Talern verlor.

Bereits vor Agathons Geburt erschien im Januar 1791 eine vernichtende Kritik Friedrich Schillers, der die Volkstümlichkeit von Bürgers Gedichten ablehnte. Acht Jahre später spendete Schiller jedoch 1 Taler und 12 Groschen für ein Denkmal zu Ehren Bürgers. 1793 erkrankte Bürger an Schwindsucht, in deren Folge er seine Stimme verlor und seine Vorlesungen nicht mehr halten konnte. Dadurch fielen die Kollegiengelder weg. Doch statt des erbetenen Gehalts erhielt Bürger nur eine einmalige Unterstützung von 50 Talern durch die Universität.

Am 8. Juni 1794 starb Gottfried August Bürger einsam und verarmt. Er wurde auf dem Bartholomäusfriedhof in Göttingen beigesetzt und hinterließ zwei Töchter und zwei Söhne. Zu seiner Beerdigung kamen nur sein Sohn Emil und seine beiden Ärzte.

Ludwig I. ehrte Bürger für seine Werke 1817 mit einer Büste in der Walhalla. Bei deren Eröffnung 1842 wurden 96 der seit 1807 angefertigten Büsten in der Reihenfolge des Todesdatums aufgestellt. Daher steht Bürgers Büste bis heute neben dem Abbild der Zarin Katharina II. (Katharina die Große).

 

Das Richard-Brandt-Heimatmuseum hat zwar keine Bürger-Büste im Bestand. Dafür aber eine Szene aus der Hochzeit mit Molly. Dazu Fotografien von Bürger-Portraits sowie den Hochzeitseintrag im Kirchenbuch der St. Michaeliskirche Bissendorf. Sie finden die Objekte ganz in der Nähe unserer “Busse-Ecke”.

 


Bildquellen:

Obere Bilderreihe:

Porträt von Gottfried August Bürger, Kupferstich von Rosmäsler, 1827, Wikipedia, gemeinfrei

Gemälde gemalt von Johann Heinrich Tischbein dem Jüngeren, 1771, Wikipedia, gemeinfrei

Grab in Göttingen, Bartholomäusfriedhof, Wikipedia, Foto von Longbow4u, CC BY-SA 3.0

 

Untere Bilderreihe:

Richard-Brandt-Heimatmuseum Wedemark außer

Augusta „Molly“ Leonhard (1760–1786); getönte Lithographie von Payne, um 1850, Wikipedia, gemeinfrei